Entwicklung von Jugendlichen

Körperlich/Motorische Entwicklung

Hormonelle Veränderungen bewirken die körperlichen Veränderungen, die zum einen als Wachstumsschub und zum anderen durch die Geschlechtsreife deutlich werden. Die gesamte Statur verändert sich – wobei es zunächst die Arme, Hände, Beine und Füße sind, die wachsen. Es entstehen schlaksige Bewegungen. Die Geschlechtsorgane entwickeln sich und führen zur Geschlechtsreife, der Fortpflanzungsfähigkeit. Dieser Prozess ist bei jedem Jugendlichen anders. Je nach  genetischer Veranlagung und Umweltbedingungen kommt die erste Regelblutung bei den Mädchen in der Regel um das 12. Lebensjahr, der erste Samenerguss bei den Jungs in etwa um das 13. Lebensjahr. Die Entwicklung des Gehirns führt in dieser Zeit dazu, dass die Jugendlichen für Erregungen sensibler werden, sie nehmen Reize intensiver wahr. Es ist anzunehmen, dass der Reifungsprozess des Gehirnes, neben Umwelteinflüssen, eine nicht unerhebliche Rolle spielt beim typisch jugendlichen Verhalten (ungestümes Verhalten, Reizbarkeit, Impulsivität).

 

Kognitive Entwicklung

Die Jugendlichen kommen nun in die Lage, unabhängig von konkreten Objekten, über Probleme nachzudenken in dem sie logische Regeln anwenden. Sie lernen vom Allgemeinen ausgehend auf das Besondere zu schließen ebenso wie vom Besonderen auf das Allgemeine. Diese kognitiven Kompetenzen werden maßgeblich beeinflusst durch die schulische Bildung.

 


Schule beeinflusst die kognitiven Fähigkeiten

Sprache

In der Sekundarschulzeit schreitet die Sprachentwicklung, vor allem im Bereich der Erweiterung des Wortschatzes, stetig weiter voran. Es entstehen dabei Sprachvarietäten (d. h. besondere Ausprägungen der Sprache):

  • die „Bildungssprache“: der sprachliche Umgang in der Schulklasse - geprägt durch den Unterricht und die sprachliche Gewandtheit der Lehrer
  • die „Familiensprache“: die Umgangssprache in der Familie und dem privaten Umfeld
  • die „Jugendsprache“: die durch den Freundeskreis und die Altersstufe geprägte Umgangssprache
     

Sozial-kognitive Entwicklung

Die Jugendzeit stellt einen wichtigeren Abschnitt für die persönliche Identitätsfindung dar. Die kognitiven Veränderungen in den Denkstrukturen zeigen sich auch im Bereich des Selbst- und des Fremdbildes der Jugendlichen. Die Meinung anderer zu sich selbst wird wichtig. Bisher anerkannte Werte, Normen und Autoritäten werden in Frage gestellt. Die Beziehung zu den Eltern, als „sicherer Basis“, verändert sich. Das Streben nach grösser werdender Unabhängigkeit führt Jugendliche dazu, sich den Gleichaltrigen stärker zuzuwenden. Die Freunde gewinnen nun einen starken Einfluss. Freundschaften und die Zugehörigkeit zu Cliquen beeinflussen die Entwicklung ihrer Gedanken, Ansichten und ihr Verhalten. Dieser Einfluss kann durchaus sehr positiv sein, er kann auch kritisch werden. Freundschaft wird für Jugendliche zu einer kraftgebenden Beziehung, in der gegenseitige Unterstützung erlebt wird.

 

Sozio-emotionale Entwicklung

Das Jugendalter ist gekennzeichnet von großen Schwankungen der Gefühle. Freundschaften werden komplexer und Liebesbeziehungen herausfordernd. Die Abgrenzung von den Eltern und die Entwicklung der eigenen Identität erzeugen unter Umständen widersprüchliche Gefühle. In diesem Zusammenhang ist auch der Einfluss der Hormonschwankungen zu beachten, der sich vor allem im Bereich der aufkeimenden sexuellen Interessen und Bedürfnissen äußert. Gefühle zu regulieren gelingt den Jugendlichen durch verschiedene Strategien, die oftmals die Form eines geschlechtstypischen Verhaltens annehmen.

Während dieser Zeit entwickeln sie Schritt für Schritt ihr „Selbst“, d. h. sie entwickeln ihre Identität und ein stabiles Selbstkonzept an der Schnittstelle zwischen dem tatsächlichen Selbst, d. h. dem „wer bin ich“, dem Ideal-Selbst, d. h. „wer möchte ich sein“ und dem was andere erwarten. Dieser Prozess bedarf einer ausgewogenen Reflexion über sich selbst.    

 

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